Rundgang durch den Vogelsberggarten

Folgen sie uns doch bitte auf einem Rundgang über den Schloßberg Ulrichstein vom bekannten "Museum im Vorwerk" aus:

Erst einmal erfolgt ein recht steiler Aufstieg durch einen echten kleinen Urwald.
Im Schatten der Bäume begleitet von einem Konzert der Finken , Kleiber, Meisen und Eichelhäher ist das kurze Stück bis zur ersten Ruhebank schnell geschafft. Wenn man genau schaut, erkennt man unter den Eschen, Ahorne und Buchen kleines Moschuskraut, blühenden Lerchensporn (Hohlen und Mittleren ), weiße Buschwindröschen, austreibendes Geißblatt und kleinen Seidelbast.

Mit dem Knirschen des Kieswegs unter den Füßen geht es weiter bergauf an vielen heimischen Farnen vorbei ( Buchen- und Eichenfarn folgen noch), bis sich der Blick auf die sehr steile Goldhaferwiese öffnet, die sich bestens entwickelt hat und Ende Mai/Anfang Juni in voller Blüte stehen wird. Erst Ende Juni wird sie unter abenteuerlichen Bedingungen von den Naturparkmitarbeitern gemäht.

Wir lassen Haselnusssträucher, Himbeeren, Efeu und Nieswurz hinter uns und gehen rechts zum Beet der Bergwiesenkräuter. Der Goldhafer ist Patenpflanze für dieses Wildkräuterbeet. Hier treiben schon 5 Arten Frauenmantel, Pechnelken, Weicher Pippau und Nordisches Labkraut. Bald blühen Bachnelkenwurz, Trollblumen und Schlüsselblumen. Die Margeriten und der Raue Herbstlöwenzahn blühen im Sommer um die Wette. Die Schmetterlinge lieben im Herbst die lila Blüten der Betonie und der Kümmel hängt noch lange an den Stängeln. Zuschauerliebling ist im Frühjahr das Knabenkraut.

Auf der anderen Seite des Hauptweges liegt das Beet der montanen Hochstauden.
Gerade blüht die Weiße Pestwurz und bald wird die Vielblütige Weißwurz folgen. Die Blätter des Aronstabes sind schon sehr groß, wohingegen man die Blätter der Verschiedenblättrigen Kratzdistel kaum erkennen kann. Ausdauerndes Silberblatt und Perückenflockenblume werden erst im Frühsommer blühen. Große Bestände von Tükenbundlilien begeistern die Besucher im Sommer.

Unser großer Stolz ist die Bergflockenblume, da sie im Vogelsberg in den letzen 10 Jahren  vermutlich ganz verschwunden ist. Wir können hier ihr Genmaterial erhalten und sie wieder „aussiedeln“. Hohe Stauden sind auch Platanenblättriger Hahnenfuß ,Blauer und Gescheckter Eisenhut, sowie das Hain Greiskraut. Wir würden gerne noch den Alpenmilchlattich hier zeigen und schützen , aber es ist schwer ihn zu finden, um Samen zu sammeln.

Vorbei an Mondviole und Odermennig geht es auf den gepflasterten Hauptrundweg.
Dort stehen schon verschiedene heimische Wildrosen, die aber noch weiter ergänzt werden sollen. Wenn man den Blick rechts über die blühenden Schlehensträucher wandern lässt, kann man eine herrliche Aussicht auf den Taunus, ins Giessener Becken bis hin zu Amöneburg genießen.

Die Schafe blöken uns ein Hallo zu und links vor uns liegt ein weiteres Wildpflanzenbeet mit den meisten heimischen Habichtskräutern und Glockenblumen, die z.T. auch Rote Liste-Pflanzen sind. Auch dieses Beet ist mit Basaltsteinen eingefasst, ist aber nicht rechteckig, sondern hat die Form einer halben Sonne.
Wenn im Frühsommer alles in gelb und blau blüht, ist es ein fantastisches Bild.
Am Rande des Beetes geben eine Essbare Mährische Eberesche, ein Wildapfel, sowie 2 Haferschlehen und 2 Wachholdersträucher Schatten.

Auch hier gibt eine Schautafel Informationen an Interessierte weiter.
Der breite geschotterte Weg führt uns an der Rinderweide mit alten Lesesteinriegeln vorbei und man bekommt einen Eindruck davon, wie klein die Felder früher waren. Wir genießen heute die Aussicht und die interessante Landschaft mit ihrer vielfältigen Heckenstruktur, aber die Arbeit muss sehr hart gewesen sein und der Ertrag gering.

Familie Scheich baut auch Getreide und Kartoffeln auf einem 1200 qm „kleinen“ Acker des VB-Gartens an, um Besuchern die altertümlichen Arbeitweisen zu zeigen und seltenen Ackerunkräutern (z.B. Kornrade , Ackersteinsame und Ackerlöwenmäulchen) eine Heimat zu geben.

Die verschiedenen Kohlarten , die Frau Dierlamm zwischen den Kartoffeln anpflanzt, sind typisch für die frühere Anbauweise.
Mitte Mai werden wieder Kindergartenkinder und Schulkinder beim Setzen der Kartoffeln helfen und deren Wachstum die Vegetationszeit über verfolgen, um dann bei der Ernte zu helfen. Der Emmer steht schon sehr gut da und wir biegen vom VV-Wanderweg auf den Rundweg am Südhang des Schlossberges ab.

An der Ernst–Happel-Hütte, die 2010 vom Naturpark errichtet wurde, können wir ein kleines Picknick machen und die Blüte der Obstbäume bewundern. Hier auf der warmen Seite des Berges stehen alte heimische Apfel- und Birnbäume, sowie Spillinge. Ein großer Walnussbaum und ein kleiner Speierling werden bald schon austreiben.

Neugierig kommen die Rinder an den Zaun. Es sind seltene Rassen, wie z.B. die Pinzgauer. Im Herbst kommen noch mal 2 riesige Kaltblüter zum Resteessen auf die Weiden. Man spürt ihre urwüchsige Kraft bei dieser dünnen Bodendecke sehr weit , wenn sie mal schnell ihren Standort wechseln.

Der Bauerngarten, auch vor 10 Jahren angelegt, ist unsere nächste Anlaufstelle. Ein von Wildrosen umsäumter Garten mit Stauden, Beerenobst und Gemüse aller Art.
Krokusse, Märzenbecher und Schneeglöckchen sind schon verblüht, dafür treibt der Rhabarber und die Buchsbaumhecke fleißig. Der Nieswurz und andere Stauden recken ihre Knospen in die Höhe. Auf dem Gemüsebeet gibt es noch Feldsalat und die Kids des Kindergartens warten schon auf die Kräuter und den Salat, den sie immer von Frau Welsner, der Patin des Gartens, geschenkt bekommen.

Sehr beliebt sind im Sommer auch immer die Walderdbeeren bei den kleinen Wanderern, wohingegen die weiblichen Besucher immer von den vielen Rosenblüten ganz verzückt sind. Einige Großeltern nutzen diesen Garten , um den Enkeln die Gemüsearten zu erklären.
In der Sonne auf dem warmen Pflaster treffen wir eine Blindschleiche an, die sich dann aber schnell in der steinigen Böschung verkriecht. Die Triebe der Holundersträucher sind schon recht lang.

Ein Highlight im Mai ist auch immer die Blüte des riesigen uralten Flieders, der sich auf einem Lesesteinriegel neben der Glatthaferwiese gut entwickelt hat.
Das Wiesenpflanzenbeet , welches wir nun erreichen , liegt im Schatten einiger hoher Fichten und die Teufelskralle ist nur mit geschultem Auge zu erkennen. Dafür erfreuen uns die Vergissmeinnicht mit ihren zarten Blüten und die Gräser mit ihrem frischen Grün.

Im Frühsommer blühen die lila Ackerwitwenblumen, weißen Margeriten und gelb das Echte Labkraut. Sehr interessant ist auch, dass wir 2 verschiedene Knäuelglockenblumenarten zeigen können, eine aus der Nähe von Herbstein , die andere aus Laubach. Der Wiesen Bocksbart zeigt im Frühherbst seinen schönen Samenstand und der kriechende Günsel und der kriechende Hahnenfuß nehmen das ganze Beet ein, wenn man nicht aufpasst.

Sowohl an diesem Beet, als auch an dem Beet oberhalb der Glatthaferwiese vor dem Haupteingang zur Burgruine mit den bestandsgefährdeten Magerrasenpflanzen besteht der Wegbelag aus Holzhäckseln, die aus Holz von städtischen Windwurfflächen stammen. Den Veilchenduft nimmt man schon von Weitem wahr und das Grün der verschiedenen, sehr seltenen Grasarten auch. Bald werden die Sonnenröschen, der Blutwurz, der Färberginster und die Arnika gelb leuchten. Lila Blüten haben dann die Pech- und die Heidenelken, sowie Betonie und Thymian.

Nach einem kurzen Anstieg sind wir schon im Burginneren angekommen. Links durch ein gußeisernes Türchen gelangen wir auf den Kriegsgräberfriedhof auf dem Opfer des zweiten Weltkrieges aus ganz Oberhessen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Viele Besucher aus ganz Europa kommen hierher, um Angehörige zu besuchen.
Der Verein der Freunde und Förderer des Vogelsberggartens, allen voran Ernst Happel versuchen alte Friedhofspflanzen anzusiedeln, um sie zu erhalten und zu zeigen. Leider ist das Klima hier auf 610 m oft sehr rau und die Rehe sind gerade im Winter sehr dankbar für  jede Art von Nahrung.

Auf dem Weg zum Kräutergarten im Schoße der altehrwürdigen Burgruine kommen wir erst an einer sehr auffälligen hohlen Esche vorbei, die aber laut Gutachten von 2010 noch sehr stabil ist, und am sagenumwobenen Wasserloch, dem ursprünglichen Krater des Basaltberges. Eine Schautafel am östlichen Rundweg erläutert den Besuchern das Thema Vulkanismus im Vogelsberg genau.

Der Kräutergarten, im Moment blüht im Hintergrund eine Bergulme, ist in Form eines Kreuzes angelegt und in der Mitte wächst eine Apothekerrose. Die Rückwand besteht aus einer alten Stallwand und beheimatet viele Trockenmauerpflanzen, z.B. den kalk- und wärmeliebenden Schildampfer, der noch aus der Burgherrenzeit übrig geblieben ist. Aus dem mittelalterlichen Kräutergarten hat auch der Wermuth die Zeit auf dem Schlossberg überdauert. Das Lungenkraut und die Schlüsselblumen blühen bereits. Den Bärlauch und die Süßdolde kann man für eine Riechprobe zwischen den Fingern zerreiben. Thymian, Mariendistel und Rosmarin müssen im Mai nachgepflanzt werden, da sie dem Winter nicht getrotzt haben.

Guter Heinrich und Ringelblumen sind wundheilend. Echte Kamille, Knoblauch, Schafgarbe und Mutterkraut wirken antiseptisch. Krampflösende Heilkräuter sind Zitronenmelisse, Pfefferminze und Schöllkraut. Kinder sind bei Frührungen immer sehr fasziniert von dem gelben Zaubersaft der Anti-Warzen-Pflanze. Die Katzen lieben eher den Baldrian und legen sich gerne dort für ein Schläfchen ins Beet.

Osterluzei, Meisterwurz, Pfingstrose und einige andere Kräuter sind auch auf der Roten Liste zu finden. Giftpflanzen sind auch in einem Viertel der Anlage zu sehen, z. B. Blauer Eisenhut, Stechapfel, Tollkirsche und Maiglöckchen. Die Größe des Alant und des Heilrhabarbers beeindruckt mich immer wieder . Auf der Südseite kann man an Wachholdersträuchern frische Beeren kosten.

Jetzt geht es aber ganz rauf auf die Burgruine mit dem Aussichtsturm, gerade fliegt der Turmfalke davon. Von hier oben hat man nicht nur eine tolle Aussicht bis zur Milseburg, sondern auch gleich unter uns liegt auf der Nordseite der Burg eine markante Felswand mit echten Raritäten, z. B. dem Ackersteinsame. Zurück auf den Rundweg kommen wir durch die sogenannte Kirchenpforte, über die die Ulrichsteiner früher zum Gottesdienst in die Burgkapelle gekommen sind. Unter einem wunderschönen Kornellkirschenbusch mit seinen gelben Blüten hindurch führt uns der Weg nach Norden zu der Tafel, wo der Ursprung der Schneitelbäume erklärt ist. Die Kopfeschen liegen direkt vor uns am Hang.

An einer Waldweide und moosigen Steinformationen vorbei stoßen wir wieder auf den Weg, der uns zurück nach unten zum Museum bringt.