Zur Geschichte des Vogelsberggartens Schlossberg Ulrichstein

Der Vogelsberg ist nicht zuletzt wegen seines immer noch bemerkenswerten Reichtums geschützter Pflanzenarten und seltener Tiere ein beliebtes Ausflugs- und Ferienziel.
Zu Recht wirbt die Region Oberhessen auch mit diesen Raritäten und den Besonder-
heiten der Landschaft um Gäste und strebt dabei naturverträglichen Tourismus an. Der sogenannte „Sanfte Tourismus“ setzt den Schutz und das Bewahren der vorhandenen Naturgüter voraus. Er soll den Gästen aber dennoch die Schönheiten unserer Region zugänglich zu machen.

Bei der Verwirklichung dieses Konzeptes entstehen zwangsläufig gewisse Konflikte. Die Seltenheiten der vogelsberger Pflanzenwelt sind alle streng geschützt, und ihre größten Bestände befinden sich  heute fast ausnahmslos in Schutzgebieten, die nicht betreten werden dürfen. Einzelstandorte, meistens noch weit gestreut in der Region vorkommend, preiszugeben, birgt die Gefahr der Plünderung der dort vorkommenden seltenen Arten.

Von nicht wenigen Gästen des Naturparks Hoher Vogelsberg wurde immer wieder nachgefragt, wo man denn die angepriesenen Pflanzenschätze wie den Märzenbecher, den Bergwohlverleih (Arnika), die Trollblume, den Eisenhut und all die anderen ansehen könne.
Die Nachfragen nahmen zu, nachdem 1986 das Naturschutz Informationszentrum Hoherodskopf eingeweiht wurde. Die Naturparkverwaltung sann auf Abhilfe, und so wurde 1987 die Idee eines Botanischen Gartens geboren, der ausschließlich der Pflanzenwelt des Vogelsberges gewidmet sein sollte.

1989 ist die Anlage eines Vogelsberggartens auf drängen der Geschäftsführung des Naturparks zusammen mit der Absicht ein Regionalmuseum und einen Wildpark zur Förderung des Tourismus zu schaffen, in die Agrarstrukturelle Vorplanung Hoher Vogelsberg/Oberwald aufgenommen worden.

Die Naturparkverwaltung begann, mit Unterstützung des Vogelsberger Höhen Club, die Suche nach einem geeigneten und auch verfügbaren Geländes. Nach langem Hin und Her kam schließlich der Schlossberg Ulrichstein in die engere Wahl. Es war der damalige Vorsitzende des gesamt VHC, Peter Raven, der dem Geschäftsführer des Naturparks die erfreuliche Botschaft aus dem VHC Zweigverein Ulrichstein überbrachte mit dem Hinweis, das Areal sei überwiegend Eigentum der Stadt Ulrichstein und es Landes Hessen, und die Stadtväter in Ulrichstein seien mit dem Ziel „Vogelsberggarten“ einverstanden.

Auch die Landesverwaltung, in deren Eigentum das Gelände der Burgruine steht, zeigte sich aufgeschlossen. Die üblichen Verhandlungen setzten ein und die Suche nach Geld.

Ein Gutachten, in Form einer Diplomarbeit des Naturpark-Praktikanten Jörg Bernlöhr,
unterstützt vom Ferienpark Ulrichstein( kostenfreies Wohnen), der Sparkasse Oberhessen und dem VHC (Finanzierung), ergab die Standorttauglichkeit des Schlossberges für das Vorhaben. Die Höhenlage über 600 m ü. NN, die Kegelform des Berges (Standorte nach allen Himmelsrichtungen), der Boden aus Basaltverwitterung und die Struktur des Geländes mit Rainen, Gebüschen, Felsen, Mauern, Wiesen und einem Wäldchen boten die besten Voraussetzungen für fast alle benötigten Standorte, bloß für Feuchtgebiets- und Moorpflanzen fand sich kein geeigneter Platz.

Eine genaue Revision der vorhandenen Pflanzenbestände und ein Gartenplan wurden in Auftrag gegeben und von der renommierten Gesellschaft für ökologische Landschaftsplanung und Forschung aus Wetzlar-Naunheim erstellt. Über das ARLL, Lauterbach, heute Amt für den Ländlichen Raum (ALR), beantragte der Naturpark eine Projektförderung durch das Land Hessen und die Europäische Union.

Der Antrag wurde genehmigt und in den Jahren 1999 und 2000 umgesetzt. Von der Idee bis zur Verwirklichung waren 15 Jahre vergangen und viele hatten geholfen.
Der rund 6,5 Hektar große Vogelsberggarten steht in der Trägerschaft des Naturparks Hoher Vogelsberg. Er wird massiv unterstützt vom Magistrat der Stadt Ulrichstein.

Am 7.5. 2003 wurde der Verein der Freunde und Förderer des Vogelsberggartens e. V. (VFFV) gegründet. Der Verein trägt wesentlich zur Finanzierung und Pflege des Vogelsberggartens bei. Ihm gehören ein ganze Reihe von Patinnen und Paten an, die maßgeblich für die ehrenamtliche Pflege und Bewirtschaftung der weiträumigen Anlagen sorgen. Ohne diese zahlreichen Patenschaften und die Beiträge und Geldspenden der Mitglieder, wäre gegenwärtig die Unterhaltung des Gartens gar nicht möglich.

Die Weiterentwicklung des Vogelsberggartens, insbesondere der Kulturlandflächen bis zum angestrebten Optimalzustand, wird noch Jahre in Anspruch nehmen, aber er ist schon jetzt mit seinen Wildpflanzenbeeten, dem Kräutergarten, dem Acker, bestellt mit fast vergessenen alten Kulturpflanzen und seinem blühenden Bauerngarten ein kleines  Schmuckstück und ein Anziehungspunkt für viele Besucher.

Ein kleines Faltblatt mit Gartenplan steht zur Verfügung. Ein umfangreicher Gartenführer für den Vogelsberggarten ist in Vorbereitung.
So ist der Vogelsberggarten von Beginn an ein Gemeinschaftswerk vieler, von der Planung bis zur Gegenwart mit Pflege und Entwicklung. Ein Besuch des Schlossberges Ulrichstein ist nicht nur wegen seiner geschichtsträchtigen Burgruine und der schönen Aussicht zu empfehlen, sondern schon fast ein Muss für alle Naturfreunde.